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„Ich hasse meine Mutter" – warum eine schwierige Beziehung zur Mutter kein Makel ist, sondern ein Anfang.


Frau um die 40 sitzt nachdenklich und in sich gekehrt da – sinnbildlich für die schwierige Beziehung zur Mutter und den Beginn der inneren Auseinandersetzung damit.

„Ich hasse meine Mutter."


Wenn dieser Satz in dir lebt, hast du ihn vermutlich noch nie laut ausgesprochen. Vielleicht tippst du ihn gerade nachts in eine Suchleiste, während alle anderen schlafen. Vielleicht erschrickst du selbst davor, dass er so klar in dir ist.


Ich möchte dir gleich zu Anfang etwas sagen: Dieser Satz macht dich nicht zu einem schlechten Menschen. Er ist kein Makel. Er ist ein Anfang.


Neulich saß eine Frau mir gegenüber, sprach diesen Satz aus und weinte bitterliche Tränen. Was in diesem Moment im Raum war, war nicht Hass. Es war etwas ganz anderes. Und genau davon möchte ich hier erzählen.


Was unter dem Hass liegt

Eine schwierige Beziehung zur Mutter trägt fast immer mehr in sich, als das Wort Hass fassen kann. Wenn der Satz „Ich hasse meine Mutter" einmal ausgesprochen ist, kommt fast immer im selben Atemzug ein zweites Gefühl dazu:


Scham.


Wie kann ich nur so etwas denken?

Was bin ich für ein Mensch?

Hat sie nicht alles für mich getan?

Bin ich es ihr nicht schuldig, dass ich sei liebe?

"Man" liebt seine Mutter doch.


Lass uns hier kurz innehalten. Die Scham darf da sein. Du musst sie nicht wegmachen, nicht rechtfertigen, nicht verstecken. Sie gehört dazu.


Und gleichzeitig lohnt sich eine Frage, die alles verändert:


Woher kommt dieser Hass eigentlich?


Hass ist bei einem Kind selten der erste Impuls. Er ist eine Entscheidung & eine sehr kluge, sehr schützende Entscheidung, die ein kleines Mädchen irgendwann getroffen hat. Irgendwann hat dieses Mädchen innerlich gespürt: „Meine Mama ist nicht so für mich da, wie ich sie brauche. Und es tut zu sehr weh, immer wieder zu ihr hinzugehen und nicht gehalten zu werden. Dann ist es schlauer, sie nicht mehr zu brauchen."


Wie das entsteht

Das passiert oft nicht durch große Dramen. Manchmal schon z.B: bei Müttern, die getrunken haben, die wechselnde Partner hatten, die schlicht nicht da waren. Aber genauso oft entsteht es über viele kleine Momente.

Eine Mutter, die innerlich nicht bei sich ruht, sondern ständig im Außen nach Bestätigung sucht, ist nicht wirklich bei ihrer Tochter. Das Mädchen dockt an, sucht Nähe, sucht den Blick, die Arme, das Gehaltenwerden & findet es nicht.

Nicht zuverlässig.

Nicht so, dass es sich sicher anfühlt.


Ein Kind kann diese Lücke nicht aushalten und gleichzeitig weiter hoffen. Also macht es etwas Geniales, um zu überleben: Es hört auf zu hoffen. „Dann hasse ich sie eben. Dann brauche ich sie nicht." Der Hass ist der Mantel über einer Sehnsucht, die zu groß war, um sie offen zu tragen.


Was darunter zum Vorschein kommt

Wenn wir gemeinsam diesen Mantel vorsichtig anheben – und das braucht Zeit, Sicherheit und Behutsamkeit –, dann liegt darunter fast nie Hass. Darunter liegt ein großer Schmerz. Eine tiefe Verletzung. Und vor allem eine Trauer.

Diese Trauer darf endlich da sein. Ohne Scham. Es ist erlaubt, traurig zu sein:

  • darüber, nicht die Mutter gehabt zu haben, die du dir gewünscht hast

  • darüber, nicht oft genug in den Arm genommen worden zu sein

  • vielleicht sogar darüber, dich nicht geliebt gefühlt zu haben

Und hier ist etwas Wichtiges: Es geht nicht darum, ob deine Mutter dich geliebt hat oder nicht. Vielleicht hat sie es auf ihre Art getan. Es geht um dein Gefühl. Dein Gefühl ist wahr und darf gefühlt werden – unabhängig davon, was objektiv geschehen ist.


Wie Veränderung geschieht

Von diesem Punkt aus beginnt die eigentliche Arbeit. Sie ist zu großen Teilen innere Kind-Arbeit: das kleine Mädchen aufsuchen, das damals diese Entscheidung getroffen hat, und ihm das geben, was es nie zuverlässig bekommen hat.

Das geschieht nicht in einem großen Befreiungsschlag. Es geschieht über viele, viele kleine Mikro-Momente, die angeschaut werden dürfen, eingesammelt werden dürfen, integriert werden dürfen. Stück für Stück verschiebt sich etwas. Der Hass wird leiser. Die Trauer wird tragbar. Und an die Stelle der alten Entscheidung tritt etwas Neues – ein erwachsenes Verstehen.

Mit dem Wort „Heilung" bin ich dabei vorsichtig. Es trägt oft die Illusion in sich, dass wir irgendwann alle vollkommen heil durch die Welt gehen, als wären wir nie verletzt gewesen. Das passiert nicht. Und es muss auch nicht passieren. Es geht nicht darum, ungebrochen zu werden. Es geht darum, dass das, was gebrochen war, dich nicht mehr unbewusst steuert.


Wenn dieser Satz in dir lebt

Vielleicht erkennst du dich in diesen Zeilen wieder. Vielleicht spürst du, dass unter deinem „Ich hasse meine Mutter" etwas anderes wartet, das endlich gesehen werden möchte.

Genau hier setzt meine Arbeit an. In F.L.Y., meinem dreimonatigen Begleitprozess für Frauen, gehen wir diesen Weg gemeinsam – behutsam, in deinem Tempo, mit der Arbeit am Nervensystem, mit IntoBeing und mit der Aufmerksamkeit, die diese alten Verletzungen brauchen, um sich verwandeln zu dürfen.

Wenn dich diese Zeilen berührt haben und du spürst, dass es Zeit ist, hinzuschauen, schreib mir gern eine persönliche Nachricht an nicole@nicolereifferscheidt.de. Wir finden gemeinsam heraus, ob dieser Weg für dich der richtige ist.

 
 
 

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